Was ist Mediation?
Die Vorläufer der Mediation als Methode zur Streitbeilegung lassen sich im asiatischen Raum schon vor Jahrtausenden finden. In Europa wurde in der Diplomatie schon im Mittelalter eine mediative Vorgehensweise angewandt um Frieden zu stiften.
Die Wiederentdeckung und Weiterentwicklung der Mediation nahm ihren Ausgang in den USA vor ca. 40 Jahren. Die Gründe dafür sind nicht nur im angelsächsischen Rechtssystem zu suchen. Es lässt sich auch in Europa grundsätzlich ein Trend zu konsensualen Verfahren der Konfliktbeilegung erkennen.
Mediation ist ein von neutralen Mediatoren begleitetes Verhandlungsverfahren. Diese unterstützen die Konfliktparteien dabei, zielgerichtet und eigenständig ihr Problem zu lösen. Sie strukturieren die Verhandlung zwischen den Streitenden, sind jedoch nicht für deren Inhalt und Ergebnisse verantwortlich.
Es sind somit die Betroffenen selbst, die im direkten Gespräch miteinander gemeinsam und freiwillig eigene Entscheidungen entwickeln und verbindlich beschliessen.
Mediatoren arbeiten je nach Art des Konfliktes und des persönlichen Arbeitsstils alleine oder gemeinsam in Co-Mediation.
Wann macht eine Mediation Sinn?
Mediation ist immer dann sehr sinnvoll, wenn das Zusammenleben oder eine weitere Zusammenarbeit gefährdet ist. Voraussetzung ist aber die persönliche Bereitschaft zu Verhandlungen. Denn klarerweise ist in Konflikten meist grosse, persönliche Betroffenheit vorhanden. Mit einer Mediation gehe ich kein Risiko ein. Da sie freiwillig ist, kann sie auch in jeder Phase beendet werden.
Mediation setzt Vertrauen und Akzeptanz voraus. Einerseits der Person des Mediators gegenüber, andererseits der Situation gegenüber, sich mit der gegnerischen Partei "an einen Tisch zu setzen" und zu verhandeln. Die Person des Mediators ist jedoch "allparteilich".
Sie gleicht schiefe Machtverhältnisse aus, unterbindet Beeinflussungsversuche der einen wie auch der anderen Seite, verhindert eine Zuspitzung des Konfliktes, fördert das gegenseitige Verständnis füreinander und beleuchtet einen Konflikt aus den unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Chance für eine dauerhafte Übereinkunft wird verbessert.
Es werden die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt. Ein Fall wird somit weder gewonnen noch verloren. Das Ziel der Mediation ist eine win-win Lösung für alle Beteiligten. Der Blick in die Zukunft ist wichtiger als die "wer war schuld" Mentalität, die nur in die Vergangenheit schaut.
Mediation wird getragen von Regeln des gegenseitigen Respekts und der Toleranz, der Freiwilligkeit, Kooperationsbereitschaft und Eigenverantwortlichkeit, Vertraulichkeit und Verschwiegenheit, Offenheit und Ehrlichkeit, des sich gegenseitig Zuhörens, der Fairness, sowie des Zeitmanagements.
Mediation wird heute bei der Lösung von vielen Konflikten in der Wirtschaft und Arbeitswelt, in Organisationen, im öffentlichen Bereich, in der Politik, in der Umwelt, im Konsumentenschutz, gleichermassen aber auch bei Problemen in Partnerschaften, bei Trennung und Scheidung, Sorgerechtsverhandlungen, Erbschaft, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, in Schulen und anderen Lebensbereichen angewandt. Ein immer wichtigeres Thema ist auch die Vermittlung bei interkulturellen Konflikten.
Als Abschluss einer Mediation steht in der Regel eine verbindliche, schriftliche Vereinbarung zur Konfliktbeilegung, welche die beteiligten Konfliktparteien unterzeichnen und umsetzen.
Was können Sie in einer Mediation gewinnen?
Konfliktsituationen sind Kommunikationsstörungen. Es ist schwierig, in einer von Wettbewerb, Zeitnot, Leistungsdruck, Sorge um den Arbeitsplatz regierten Welt Anerkennung zu finden. In den meisten Organisationen werden Menschen und ihre Leistungen heute anhand von Zahlen, Diagrammen und Fakten beurteilt. Beziehungen sind durch Missverständnisse, mangelnde Geduld und geringe Toleranz, Störungen im betrieblichen Arbeitsalltag, Rivalitätsdenken belastet.
Erfolgreiche Mediationsverfahren tragen dazu bei, Krisen in den Beziehungen der Menschen als gegenseitige Entwicklungschancen zu erkennen. In fernöstlichen Kulturen hat das Wort Konflikt eine zweiseitige Bedeutung: Einerseits Gefahr, aber auch Chance. Konflikte werden also nicht nur negativ gesehen, sondern ermöglichen auch Veränderung und Wandel.
Unter diesem Blickwinkel gesehen kann das Verfahren der Mediation Menschen helfen, neue Kompetenzen im Umgang miteinander zu erwerben, neue Ansichten über sich selbst zu gewinnen und Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehen zu lernen.
Sie baut eine Brücke zu einer zivilisierten "Streitkultur", von der die gesamte Gesellschaft profitiert.